Erntedank – dankbar sein, trotz allem.
Viele
Erntedankfeste finden in diesen Tagen wieder in unseren Gemeinden statt. Sie laden uns ein innezuhalten, Danke zu sagen und bewusst wahrzunehmen, was uns die Erde schenkt. Gerade heuer bekommt dieser Dank eine besondere Bedeutung.
Als Kinder einer Ferienbetreuungsklasse bei uns am Hof die Erntekrone gesehen haben, fragten sie erstaunt:
„Was ist das?“ – „Warum macht ihr das?“
Und Erwachsene fragten mich heuer:
„Erntedank – trotz dieses Jahres?“
Ja – gerade trotz dieses Jahres.
Denn dieses Jahr war für viele Bäuerinnen und Bauern schwierig. Zu viel Regen zur falschen Zeit, Hagel, lange Trockenheit, heiße Tage und Wassermangel haben Mensch, Tier und Natur gefordert. Manches ist kleiner geblieben, manches konnte nicht geerntet werden, manches wurde durch Hitze und Trockenheit geschädigt.
Wir wollen nichts schönreden.
Aber Erntedank bedeutet für mich, nicht nur auf das zu schauen was fehlt sondern auch das zu erkennen und zu schätzen was uns geschenkt wurde.
Wir danken für das was gewachsen ist – für Getreide und Brot, für Obst und Gemüse, für die Früchte unserer Gärten und Felder und für das Futter, das unsere Tiere durch das kommende Jahr trägt.
Erntedank heißt nicht, dass alles perfekt sein muss. Erntedank heißt, innezuhalten und dankbar zu sein für das was gelungen ist.
Hinter jedem Lebensmittel steckt Arbeit
Hinter jedem Laib Brot steckt Arbeit.
Hinter jedem Stück Obst steckt Pflege.
Hinter jedem Glas Milch stehen ein Tier, ein Mensch, der sich um dieses Tier kümmert, und ein Hof, auf dem Tag für Tag gearbeitet wird.
Unser Dank gilt daher allen Bäuerinnen und Bauern die säen, pflanzen, pflegen, ernten und unsere Tiere versorgen. Aber auch all jenen Menschen die unsere Lebensmittel verarbeiten, vermarkten und zu uns auf den Tisch bringen.
Unser Dank gilt auch den Konsumentinnen und Konsumenten die mit ihrer Entscheidung für regionale und heimische Lebensmittel unsere bäuerlichen Familienbetriebe unterstützen.
Denn regionale Landwirtschaft bedeutet weit mehr als die Arbeit auf unseren Höfen. Sie sichert Wertschöpfung in unseren Regionen und damit auch zahlreiche Arbeitsplätze vor und nach der Landwirtschaft.
Jeder Einkauf regionaler Lebensmittel trägt dazu bei, dass Arbeitsplätze und Wertschöpfung in unserer Heimat bleiben.
Dankbar sein heißt auch Verantwortung übernehmen
Wir danken für die Erde, für das Wasser, die Sonne und den Regen. Für die Tiere, die uns anvertraut sind, für unsere Familien, unsere Höfe und unsere Gemeinschaft.
Und wir wissen: Wir tragen Verantwortung dafür mit diesen Geschenken achtsam umzugehen – den Boden zu bewahren, Wasser zu schätzen und unsere Natur zu respektieren.
Die Erntekrone erinnert uns daran, dass eine gute Ernte niemals selbstverständlich ist.
Wir können vieles planen und vieles leisten – aber wachsen lassen können wir es nicht allein.
Vielleicht ist genau das die Botschaft die wir von unseren Erntedankfesten mitnehmen dürfen: Dankbarkeit für das was uns geschenkt wurde, Respekt vor der Natur, Wertschätzung für die Menschen, die unsere Lebensmittel erzeugen – und Hoffnung auf das kommende Jahr.
Danke für die Ernte.
Danke für die Menschen die dafür arbeiten.
Danke für die Schöpfung.
Und danke für die Hoffnung die uns auch nach einem schwierigen Jahr wieder nach vorne schauen lässt. Text: LKR Annette Glatzl